Schalmeien in Australien

Schalmeien in Australien

Australien

16.05.2005 – Der Wahnsinn hat begonnen

Die Langenreichenbacher Schalmeienmusikanten sind in Cairns, an der Ostküste Australiens gut gelandet. Wer hätte es noch vor 15 Jahren für möglich gehalten, dass jemals ein Langenreichenbacher australischen Boden betreten wird. Und nun sind wir da.
Aber mal der Reihe nach.

Am Pfingstsonntag gegen 16.00 Uhr hatte das Unternehmen „Australien“ für uns begonnen. Mit der Deutschen Bahn AG ging es von Torgau über Leipzig nach Frankfurt/Main. Wir alle waren von der Bahnfahrt positiv überrascht. Man saß wie zu Hause in der guten Stube. Kein Stress, kein Rumpeln an jeder Weiche und jedem Schienenstoß, so wie ich es aus Reichsbahnzeiten gewöhnt war. Nur wenn man aus dem Fenster sah, merkte man, dass man unterwegs ist. Und in Frankfurt/Main pünktlich auf die Minute.
Ein großes Hallo gab es, als wir einen ehemaligen Langenreichenbacher, den jetzt in Bremen wohnenden Frank Mühlner trafen. Er hat den Kontakt zu seiner Heimat nie verloren und begleitet uns jetzt nach Australien.
Das Einchecken verlief problemlos und mit einer Boeing 747-400 hoben wir ab. So eine Boeing ist ein Riesenschiff, bis zu 10 Plätze neben – und 70 Reihen hintereinander. Bisher kannte ich von meiner Trassenzeit nur die TU-134, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Über einen Bordcomputer, der vor jedem Sitzplatz angebracht war, waren wir stets über alle Flugdaten informiert, z.B. Flughöhe 11.300 m, Fluggeschwindigkeit 1.000 km/h. Unsere Flugstrecke verlief von Frankfurt über Kiew-Charkow-Teheran-Neu Dehli-Golf von Bengalen-Indischer Ozean nach Singapur.
11 Stunden Flugzeit und 10.200 Flugkilometer sind schon ganz schön anstrengend, aber Andrea Birnbaum und Diana Herbst, die Krankenschwestern in unserer Reisegruppe, hatten uns vorher die richtigen Spritzen verabreicht. Schwierig war es nur für unsere Raucher, denn an Bord herrschte absolutes Rauchverbot.
Die Zeitverschiebung zwischen der Heimat und Singapur betrug 6 Stunden, der Temperatur-unterschied 20°, die Luft tropisch warm. Trotz der 3 Stunden Aufenthalt bekamen wir in Singapur nur den Flughafen zu sehen.
Nach nochmals 6 Stunden Flug und weiteren 2 Stunden Zeitverschiebung landeten wir Dienstagmorgen 4.30 Uhr in Cairns, der 1. Station unserer Tournee. Zu Hause ist es jetzt Montagabend 20.30 Uhr, beste Fernsehzeit.
Die Stimmung in unserer Truppe ist famos und alle sind gespannt, was die nächsten Tage bringen werden.

Euer Reiseberichterstatter Detlef Bölke


17.05.2005 – Der erste Tag in Cairns

Um 6.00Uhr trafen wir mit dem Bus in unserem Hotel ein. Es ist eine riesige Anlage, auf der man sich ständig verlaufen kann. Trotzdem wird es nicht langweilig, da man jedes Mal etwas Neues entdeckt. Alles ist angelegt wie ein großer botanischer Garten, mit exotischen Pflanzen, riesigen Palmen und einer vielfältigen Poollandschaft.
Außerdem entdeckten wir seltsame Tiere, die unsere Frauen anfangs für Ratten hielten. Doch es sind nur vollkommen ungefährliche einheimische Beuteltiere.
Nach einer kurzen Zeit zum Relaxen, die einige auch zu einer ersten Stadtbesichtigung nutzten, hatten wir am Nachmittag bereits unseren ersten Auftritt in der  Trinity Anglican Scool, einer Privatschule in Cairns. Ständig mussten wir unsere Schalmeieninstrumente erklären, da diese Musik hier noch völlig unbekannt ist. Einige Schüler nutzen die Gelegenheit, selbst mal auf diesen Instrumenten zu spielen.
Beeindruckend war für uns, dass alle Schüler eine einheitliche Schuluniform tragen. Wir waren auch von der  tollen Ausstattung der Schule überrascht, denn diese Aula kann sich mit jedem Konzertsaal bei uns messen. Zum Schulgelände gehörten auch ein Schwimmbad mit einer 50-Meter-Bahnanlage.
Nach dem Auftritt wurden wir von der Schulleitung zu einem gemeinsamen Grillfest eingeladen. Hier hatte jeder von uns die Gelegenheit Antworten zu seinen Fragen über Land und Leute zu bekommen.

Für Euch berichtete Sylvia Saalbach


18.05.2005 – Exkursion in den Regenwald

An unserem 2.Tag in Cairns stand eine Tagestour in den Regenwald auf dem Programm. Dazu mussten wir bereits 6.00 Uhr aufstehen, eigentlich für Urlauber eine unchristliche Zeit. Aber die meisten von uns hatten sowieso schlecht geschlafen, denn ihre innere Uhr hatte sich auf die 8 Stunden Zeitunterschied zur Heimat noch nicht eingestellt.
Vor der Abfahrt des Busses gab es erst noch ein Geburtstagsständchen für Aliona, die Frau unseres Ortsvorstehers. Das Alter verrate ich hier nicht, aber sie sieht auf jeden Fall jünger aus.
Der Regenwald in Australien ist noch weitestgehend unberührte Natur. Mit seinem tropischen Klima ist er Lebensraum für die vielfältigsten Pflanzen und Tierarten. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt rund 9.000 l/m². Die Größe des Regenwaldes hat sich in den letzten 20 Jahren um nahezu 50 % reduziert und beträgt jetzt noch rund 1 Mio. ha. Deshalb wurde der Regenwald zum Weltnaturschutzgebiet durch die Unesco erklärt.
Die Wanderung durch den Regenwald war sehr interessant und unser Tourführer konnte uns die Pflanzen und Tierwelt einwandfrei erklären. Wir besichtigten auch hohe Wasserfälle und riesige Gebirgsschluchten, die sich im Laufe von Jahrmillionen in das Bergmassiv gewaschen hat. Die Badelustigen unter uns hatten auch die Gelegenheit im Gebirgsfluss zu baden und beim Schnorcheln die Unterwasserwelt zu erkunden.
Am Nachmittag besuchten wir noch eine Krokodilfarm, wo man riesige Prachtexemplare bestaunen und beim Füttern beobachten konnte. Zur Erinnerung konnte man sich auch mit einer Schlange um den Hals fotografieren lassen.
Zum Abschluss der Tour waren wir anschließend noch bei einer Aboriginal Familie, den Ureinwohnern Australiens zu Gast. Aber ob die Familie dort wirklich wohnt oder nur zu touristischen Zwecken tätig ist war nicht zu ergründen.
Am Abend wurde dann unser Ortsvorsteher auf der hoteleigenen Tennisanlage von Dennis Kummer, genannt „Godo“ rausgefordert. Das Match endete unentschieden.
Alle Eltern grüßen auf diesem Wege ihre Kinder recht herzlich, die zu klein waren um diese Reise anzutreten.

Aufgeschrieben von Detlef Bölke


19.05.2005 – Abschied von Cairns

Nach zwei Tagen in Cairns heißt es heute schon wieder Abschied zu nehmen, schließlich besteht unsere Tournee aus sieben verschiedenen Stationen. Deshalb möchte ich heute die Gelegenheit wahrnehmen, um Ihnen, liebe Leser der Heimatzeitung etwas über Land und Leute zu berichten.
Australien hat eine Fläche von 7,7 Mio. km² und ist damit 21 mal so groß wie die BRD. Ca. 18 Mio. Einwohner bedeuten eine Bevölkerungsdichte von lediglich 2,3 Einwohner/km². Genauso wie in England wird auch in Australien auf der Straße links gefahren. Cairns wurde um 1850 als Goldgräberstadt gegründet und hat jetzt ca. 100.000 Einwohner. Der große wirtschaftliche Aufschwung setzte jedoch erst 1984 mit der Eröffnung des internationalen Flughafens ein.
Obwohl im Gegensatz zu Europa jetzt Herbst in Australien ist, liegen die Tagestemperaturen in Cairns noch zwischen 25 und 30° C und sinken auch nachts kaum unter 16° C ab. Die Wassertemperatur im Pazifischen Ozean beträgt immer noch 23°C.
Auf unserer rund 600 km langen Busfahrt von Cairns in südlicher Richtung über Tully und Towsville nach Airlie Beach konnte man die unterschiedlichsten Vegetationszonen beobachten. Üppig grüne Flächen wechselten sich mit weiter Steppenlandschaft ab. Auf den Feldern wird vorwiegend Zuckerrohr angebaut, etwa vergleichbar mit den Getreidefeldern in Deutschland. Außerdem kann man auch riesige Bananenplantagen sehen. Geerntet wird vorwiegend von Juni bis November.
In der sogenannten Regenzeit von Dezember bis April fallen ca. 80% der jährlichen Niederschlagsmenge, während es in der Trockenzeit von Mai bis November nur sporadisch regnet.
Am Abend in Airlie Beach lernten wir auch noch die bisher unentdeckten künstlerischen Talente von unserem Andreas Straßburg kennen. Zuerst begleitete er nur für uns am Tisch die Livemusik auf seiner Mundharmonika. Dadurch wurde die Band auf ihn aufmerksam und bat ihn auf die Bühne nach vorn. Mit Blues und Country-Musik brachte er mit der Band die gesamte Bar zum kochen. Unbestätigten Gerüchten zur Folge erhielt er sogar ein Vertragsangebot, welches er aber vorerst noch ablehnte.

Für Euch berichtete Detlef Bölke


20.05.2005 – Der 4. Tag unserer Australienreise

Wir wurden vom Hotel abgeholt und fuhren mit zwei Charterbussen nach Shunt Harbour.
Von dort aus ging es mit einem sehr schönen Schiff (Fanta Sea) zu Daydream Island. Auf der Insel badeten wir das erste Mal im Pazifik und sammelten viele verkalkte Korallen.
10.20 Uhr holte uns die Fanta Sea wieder ab und es ging nach Hamilton Island. Auf dieser Insel erwartete uns eine sehr schöne Poolanlage, aber auch ein wunderbarer Sandstrand. Der Pazifik hatte eine Temperatur von ca. 25°C  und  einen sehr hohen Salzgehalt.
12.00 Uhr trafen wir uns alle wieder auf unserem Schiff und aßen ein wunderbares Mittagessen. Anschließend  fuhren wir  zur Insel  Whitehaven Beach. 100 Meter vor dem wundervollen einsamen Strand, welcher zum Nationalpark gehört, ankerte unser Schiff. Einige Mutige zogen sich Lycraanzüge an und sprangen von Bord in das azorenblaue kristallklare Wasser, wie man es von Postkarten kennt. Diese Anzüge sollten uns vor tödlichen Quallen schützen, welche sich normalerweise nur bis Ende Mai in Küstennähe aufhalten.
Die Anderen wurden mittels Ladefähre zum schneeweißen Sandstrand gefahren.
Dort hatten wir 3 Stunden Zeit, uns im Wasser  und am 5 km langen Strand auszutoben.
Am Abend ließen wir in geselliger Runde den Tag ausklingen und tauschten unsere Eindrücke aus.

Es berichtete Andrea Birnbaum


21.05.2005 – Abschied von Airlie Beach

Am 5. Tag unserer Tournee hieß es schon wieder Koffer packen. Von Airlie Beach ging die Reise über Mackay ins 500 km entfernte Rockhampton.
So richtig traurig war eigentlich keiner von uns vom Abschied aus Airlie Beach, denn unsere Unterkunft erinnerte doch stark an „Jugendherberge in DDR-Zeiten“. Pro Zimmer je 4 Doppelstockbetten aus Metall, die bei jeder Bewegung die unmöglichsten Geräusche von sich gaben. Dazu ein kleiner Tisch und 2 Stühle. Bei der Morgentoilette in der kleinen Nasszelle war absolutes Timing notwendig, damit sich jeder für den neuen Tag vorbereiten konnte. Probleme gab es aber keine, auch wenn die Frauen im Zimmer logischerweise etwas mehr Zeit  benötigten.
Recht spartanisch fiel auch das Frühstück aus, aber keiner von uns musste mit leerem Magen auf Reise gehen. Muffins (eine Art Rührkuchen), Butter, Joghurt, Obstsalat und Saft gab es reichlich. Aber Brötchen, Marmelade, Wurst, Ei oder Käse suchte man vergebens. Am meisten fehlte jedoch der geliebte Frühstückskaffee. Den musste man sich bei Mc Donalds ein paar Häuser weiter selbst kaufen.
So eine Busfahrt ist eigentlich nie langweilig. Zum einen gibt es immer was Neues zu sehen und zum anderen versorgt uns unsere Reiseleiterin immer mit den vielfältigsten Informationen über Land und Leute. Sie ist eine gebürtige Deutsche und lebt bereits seit 1981 in Australien.
Unterwegs machten wir Station im „Eungalla Nationalpark“. Dieser Park ist ca. 50.000 ha. groß und entstand vor ca. 30 Mio. Jahren. Die Besonderheit ist ein hier lebendes eierlegendes Säugetier, genannt „Platypus“, das wie eine Kreuzung aus Fischotter und Ente aussieht. Die Nachkommen werden ausgebrütet und anschließend von der Mutter gesäugt. Es kann im Wasser und an Land leben.
Einen weiteren Zwischenstopp machten wir in der Stadt Mackay, die man auch die Zuckerhauptstadt Australiens nennt. Hier ist die industrielle Zuckerproduktion durch Verarbeitung des Zuckerrohres beheimatet.
Gegen 20.30 Uhr trafen wir in Rockhampton ein.

Es berichtete Detlef Bölke


22.05.2005 – Unser Abend in Rockhampton

Am Abend des 21.05.05 trafen wir mit dem Bus in Rockhampton ein. Im Gegensatz zu Deutschland ist es hier 18.30 Uhr schon dunkel, so dass wir von der Stadt selbst nicht viel zu sehen bekamen.
Aber von unserer Reiseleiterin haben wir erfahren, dass Rockhampton, eine frühere Goldgräberstadt, heute eine wohlhabende Stadt mit ca. 70.000 Einwohnern ist.
Auch jetzt werden noch Bodenschätze wie Gold, Silber und Kupfer abgebaut. Außerdem werden jährlich rund 250.000 t Citrusfrüchte wie Ananas, Bananen, Papayas und andere geerntet. Es gibt hier riesige Weizenfelder und Weinplantagen.
Bekannt ist Rockhampton auch als Rinderhauptstadt Australiens, denn in einem Umkreis von 250 km gibt es mehr als 3 Mio. Rinder. Deshalb gehören Steak House und  Rockhampton  genauso zusammen, wie Kaffee und Sachsen.
Jeder, der einmal in Rockhampton war, sollte deshalb auch mal in einem Steak House gewesen sein. Also haben auch wir abends noch ein solches Steak House aufgesucht.
Das Steak beginnt hier erst bei einem Gewicht von 400 g und ist in den verschiedensten Variationen erhältlich. Es hat auch allen prima geschmeckt und war absolut zart und lecker.
Am nächsten Morgen auf unserer Fahrt nach Harvey Bay haben wir in Bundaberg eine interessante Entdeckung gemacht. Auf einem Wegweiser stand in deutscher Sprache „Kindergarten“.
Das ist doch der absolute Wahnsinn. In Deutschland wird dieses wunderschöne Wort, das der deutsche Pädagoge Friedrich Fröbel erfunden hat, zu „Kita“, „Hort“ oder „Krippe“ verunstaltet, obwohl doch jedes Kind, egal in welchem Alter, wie eine zarte Pflanze im Garten aufwachsen sollte.
Sehr viele Länder der Welt haben das Wort aus dem deutschen übernommen, so auch Australien. Unsere Reiseleiterin kommentierte dies mit den Worten: „Ach du liebes Deutschland. Habt ihr denn überhaupt keinen Nationalstolz? Was soll denn dieses schreckliche Wort „Kita“ bedeuten?“
Übrigens, die Erzieherinnen der Langenreichenbacher „Kita“ arbeiten seit einiger Zeit daran, dass ihre Einrichtung wieder die  alte Bezeichnung „Kindergarten“ zurückbekommt.
In diesem Zusammenhang möchten alle Eltern unserer Reisegruppe ihre zu Hause gebliebenen Kinder nochmals liebe Grüße aus Australien senden.

Es berichteten Sylvia Saalbach und Detlef Bölke


26.05.2005 – Abschied von Queensland

Am heutigen Donnerstag legten wir fast 600 km mit unserem Bus bis nach Tamworth zurück, der vorletzten Station unserer Reise.
Wir verabschiedeten uns von Queensland und überquerten die Grenze nach New South Wales. Waren wir im Norden ständig von Palmen umgeben, so sehen wir hier immer dichtere Eukalyptuswälder. Die großflächigen Zuckerrohrplantagen Queenslands hatten wir hinter uns gelassen. Während einige von uns die Erinnerungen an die vielen Erlebnisse der letzten Tage noch einmal Revue passieren ließen, ruhten sich andere aus, um am Abend in neue Abenteuer zu starten. Bei einem Zwischenstopp im Ort Glenn Innes nahmen uns noch Zeit für ein Gruppenfoto mit unseren Reiseleitern und Busfahreren.
Unseres heutiges Ziel, die Stadt Tamworth, ist die Hauptstadt der Country-Musik in Australien, vergleichbar mit Nashville in den USA. Jährlich findet hier ein großes Musikfestival statt, bei dem sich viele Gruppen und Bands versammeln.
Nach unserer Ankunft haben wir ein Konzert in der ansässigen Musikschule gegeben. Dabei haben wir Kontakte mit den Schülern der Schule geknüpft und das Interesse an der Musik war sehr groß.
Alle sind sehr gespannt auf den morgigen Tag, ob das Treffen mit  der ehemaligen Langenreichenbacherin, Frau Lantzsch, wie geplant zustande kommt, denn telefonisch konnten wir sie bisher nicht erreichen.

Es berichtete Evelyn Krause


27.05.2005 – Welcome to Sydney

Die letzte lange Busreise führte die Schalmeienmusikanten am Freitag von Tamworth in die Weltmetropole Sydney, eine vor Jahren noch unvorstellbare Vision.
Obwohl die Entfernung Cairns – Sydney nur rund 2.700 km beträgt, haben wir durch die zahlreichen Tagestouren insgesamt 5.800 km mit unserem Bus zurückgelegt.
Bereits 5.30 Uhr war wieder Wecken angesagt, zu einer Zeit also, zu der man sich in Deutschland (21.30 Uhr) gerade auf die Nachtruhe vorbereitet.
Je weiter wir südlicher kamen, desto deutlicher konnte man Änderungen in der Vegetation feststellen und auch die Tagestemperaturen wurden merklich kühler. Während man im nördlich gelegen Bundesstaat Queensland fast ausschließlich Zuckerrohr angebaut, gibt es im südlich liegenden Bundesstaat New South Wales vorrangig nur Steppe und Weideland, vereinzelt auch Obstanbau, Weizen- und Kartoffelfelder. Für Zuckerrohr ist das Klima hier zu kalt, außerdem fehlen die Niederschläge.
Erstaunlich ist auch, dass es hier im Süden europäische Laubbäume wie Pappeln, Birken, Ahorn usw. gibt, die von Einwanderern mitgebracht wurden. Deren Blätter verfärben sich jetzt im australischen Herbst und fallen ab, während dies bei den australischen Laubbäumen wie Eukalyptus und Banksia nicht zu beobachten ist. Diese werfen ihr Laub nur in großen Trockenperioden ab, um die Verdunstung zu reduzieren und gleichzeitig ihr Wurzelwerk vor Austrocknung zu schützen.
Bei unserem Konzert am Vorabend in der Musikschule von Tamworth lernten wir auch einen ehemaligen Leipziger kennen, dessen Schwester heute noch in Leipzig-Liebertwolkwitz wohnt. Er erzählte uns, dass er 1961 beim Mauerbau in Berlin dabei war, 1962 in die BRD flüchtete und 1965, auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer, nach Australien auswanderte. Dort arbeitete er als Barkeeper, im Stahlwerk, jobbte in der Landwirtschaft und besitzt heute eine eigene kleine Farm.
Hocherfreut waren wir bei der Ankunft in Sydney, als eine Information von Renate Lantsch für Sylvia Saalbach an der Reception vorlag. Daraus ging hervor, dass Familie Lantsch bereits in unserer Jugendherberge eingetroffen war und ein Treffen für den Abend vorgesehen ist.

Es berichtete Detlef Bölke


29.05.2005 – Das lang ersehnte Treffen in Sydney

Die Schalmeienmusikanten kamen am Freitagnachmittag mit etwas gemischten Gefühlen in Sydney an. Wird das vereinbarte Treffen mit der Familie Lantzsch klappen?
In den letzten Tagen hatte man nämlich vergeblich versucht mit der Familie telefonischen Kontakt aufzunehmen.
Großer Erleichterung, als an der Hotelrezeption eine Information für Sylvia Saalbach vorlag,  dass die Familie Lantzsch im gleichen Hotel eingecheckt hatte. Sie kamen aus Kingscote von der Westküste Australiens aus etwa 2.000 km Entfernung angereist.
Ein großes Hallo dann am Abend, als wir uns im Fernsehraum unseres Hotels gegenüber saßen. Renate Heaney, geb. Lantzsch und Ihr Mann Douglas sind ganz sympatische Leute und freuten sich riesig, jemanden aus dem alten Heimatort Langenreichenbach zu treffen.
Sie bestanden auch von Anfang an auf das „Du“ in der Anrede, so dass jegliche Hemmungen bzgl. des Altersunterschiedes genommen waren. Überrascht waren Sie auch, als Sylvia ihnen zahlreiche Briefe und Foto’s von ehemaligen Spiel- und Klassenkameraden übergab.
Renate konnte sich auch nach 60 Jahren an fast alle erinnern. Sie versprach uns, die Briefe zu Hause nochmals in Ruhe durchzulesen und sich bei allen Briefeschreibern schriftlich zu bedanken.
Auch Sie hatte für uns ein Fotoalbum mit Erinnerungen aus der damaligen Zeit zusammen- gestellt und uns übergeben. Um dieses Album möglichst vielen Langenreichenbachern zugänglich zu machen werden wir es bei der Präsentation unseres Dorfes um das „Schönste Dorf“ am 09.06.05 im Gemeindesaal mit auslegen.
Natürlich war es nicht möglich alles über Langenreichenbach aus der damaligen und heutigen Zeit an einem Abend zu erzählen. Deshalb verlängerten Renate und Douglas ihr geplantes Sydney-Programm um einen Tag und fuhren am Samstag mit uns zum Konzert nach Campbelltown. Vom Leiter der gastgebenden Band, Tony Flatmann war 2001 beim österreichischen Turnfest in Salzburg die 1. Kontaktaufnahme erfolgt.
Dieses Konzert war für unsere Schalmeienmusikanten der absolute Höhepunkt der Konzertreise, denn nicht nur der freundlichen Empfang und die hervorragende Bewirtung waren beispiellos. Zum Schluss spielten beide Orchester ein gemeinsames Lied und von den zahlreichen Besuchern gab es ein „Standig Ovation“, ein Gefühl was unsere Freizeitmusiker bisher noch nicht erlebten.

Es berichtete Detlef Bölke